Interkulturelle Öffnung der Verwaltung: Kommentar von Bertram Hilgen, Oberbürgermeister der Stadt Kassel

01.02.2013

Kommentar von Bertram Hilgen
Oberbürgermeister der Stadt Kassel

Die nordhessische Metropole Kassel zählt mit zu den wirtschaftlich dynamischsten Großstädten Deutschlands. Im documenta-Sommer 2012 war Kassel erneut Anziehungspunkt für eine Vielzahl von Kunstinteressierten aus aller Welt. Aber nicht nur die Besucherinnen und Besucher Kassels sind von Vielfalt geprägt, sondern auch die Einwohnerinnen und Einwohner, von denen rund ein Drittel über einen Migrationshintergrund verfügt.

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Einwohnerinnen und Einwohner Kassels am gesellschaftlichen Leben ist für mich ein zentrales Anliegen. Politik und Verwaltung und alle stadtgesellschaftlichen Gruppen müssen dabei jedoch an einem Strang ziehen. Eine wichtige Grundlage für die Erreichung dieses Ziels wurde am 25. Juni 2012 von der Stadtverordnetenversammlung geschaffen. Das in einem intensiven Beteiligungsprozess erarbeitete Kasseler Integrationskonzept mit dem Titel „Alle gehören dazu! Kassel ist bunt und lebt Vielfalt in allen Generationen“ wurde an diesem Tag einstimmig verabschiedet.

Bertram Hilgen

Um für alle Vorbild zu sein, hat die Stadtverwaltung Kassel im gleichen Monat mit dem Ausbau der Interkulturellen Öffnung der Verwaltung begonnen. Dadurch soll sich im Grunde immer mehr die Vielfalt unserer Stadt auch innerhalb der Verwaltung widerspiegeln. Aufbauend auf bereits erfolgreiche Bausteine der Personalentwicklung wird in Zusammenarbeit mit dem DGB Bildungswerk Bund in dem Projekt „veris“ (Verwaltungen interkulturell stärken – Vielfalt nutzen) die interkulturelle Kompetenz der Belegschaft der Stadtverwaltung ausgebaut. Gleichzeitig soll bei allen Stellenausschreibungen der Zusatz aufgenommen werden, dass die Stadtverwaltung Kassel offen ist für Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund. Außerdem wird „Interkulturelle Kompetenz“ als zusätzliche Schlüsselqualifikation in die Stellenanforderungsprofile aufgenommen. Den Nutzen dieser Maßnahmen sehe ich mit Blick auf eine moderne und zeitgemäße Verwaltungsführung auf zwei Ebenen:

Zum einen bin ich davon überzeugt, dass eine hinsichtlich Alter, Geschlecht und Herkunft heterogene Belegschaft die kollegiale Zusammenarbeit sowie die Kreativität fördert. Zudem vermittelt interkulturelle Kompetenz den Mitarbeitenden sowohl Sicherheit im Umgang mit ihren zugewanderten Kolleginnen und Kollegen als auch mit den zugewanderten Einwohnerinnen und Einwohnern, die ins Rathaus kommen. Langfristig wird dies nicht nur zu einem Entlastungseffekt der Belegschaft führen, sondern auch zur Verbesserung von Arbeitsmotivation und Arbeitszufriedenheit beitragen.

Der zweite wichtige Aspekt liegt aus meiner Sicht in der Verbesserung der Außenwirkung der Stadtverwaltung. Den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen wird der Zugang zu Angeboten und Dienstleistungen der Stadtverwaltung erleichtert. Die Servicequalität wird erhöht.

Nicht zuletzt lässt sich damit eine verbesserte Repräsentanz von Menschen mit Migrationshintergrund, ihrer Interessen und Sprachen in der Verwaltung gewährleisten. Denn den Stadtfrieden erhalten heißt, die Teilhabe aller ermöglichen und sich respektvoll begegnen.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Februar 2013" entnommen.